Radiolarit
Wieder ein roter Stein. Enthält er auch Eisen?
Ja, aber es braucht sehr wenig Eisen, um ein Gestein rot zu färben.
Der Radiolarit ist ein besonderes Gestein. Er verrät seine Geheimnisse nicht auf den ersten Blick. Er ist in ca. 5000 m Tiefe am Meeresboden entstanden und besteht vor allem aus Skeletten von Radiolarien.
Radiolarien?
Das sind mikroskopisch kleine Tierchen, die heute noch in kühlen Ozeanen leben. Ihr Skelett besteht nicht wie bei den meisten Tieren aus Kalk, sondern aus Kieselsäure oder Opal. Chemisch gesehen ist es das gleiche wie Glas.
Opal – Glas – Tierskelette – verrückt! Wie kommt das zustande?
Wenn die Radiolarien sterben, fallen ihre glasigen Skelette langsam auf den Meeresboden. Sie bilden einen Radiolarienschlamm.
Im Laufe der Zeit wird dieser zum Gestein Radiolarit zusammengepresst.
Unterhalb 4500 Metern lösen sich die säureempfindlichen Kalkschalen von anderen Tieren auf. Zurück bleiben nur die glasigen Skelette der Radiolarien. So verrät uns der Radiolarit auch etwas über die Tiefe des damaligen Meeres.
Steine enthalten so viele Geheimnisse!
Der Radiolarit ist hart, und wurde deshalb in der Steinzeit häufig für die Herstellung von Werkzeugen gebraucht.
Im Nationalpark hat er einen prominenten Platz unter dem Piz d’Esan hoch über der Val Trupchun. Ein Seitental ist sogar nach ihm benannt. Val Cotschna heisst soviel wie rotes Tal.
Zeichnungen von Ernst Haeckel 1862